Der Widder

 

22. März  bis 20. April

Passende Partner: Schütze, Löwe, Wassermann, Waage

 

Der Widder, so wie wir ihn bereits kennen gelernt haben, ist der David unter den Hunden.  Begeistert nimmt er jede sich bietende Gelegenheit zu einer Rauferei wahr, womit wir leider zunächst auf zwei seiner unangenehmsten Eigenschaften hingewiesen haben: Streitsucht und Trotz.  Aber sie sind nur die Folgen positiver Eigenschaften: Geradlinigkeit, absolute Unkompliziertheit, eine Art strahlender Unschuld. In Verbindung mit seinem Eigensinn und seinem Mut sind erbitterte Kämpfe die unausbleibliche Folge. Kommen jedoch Frustration oder eingebildete Demütigung dazu, sind Halsstarrigkeit und Bockigkeit das zwangsläufige Ergebnis.  Ein anderer Hund würde Möglichkeiten finden, die Konfrontation mit seinem Besitzer zu vermeiden.  Er würde Ihnen um den Bart streichen - wir alle kennen die Methode: der ganze Körper krümmt sich, um Entschuldigung bittend, der herunterhängende Schwanz versucht ein schüchternes Wedeln, ein schmelzender Blick aus vorher niedergeschlagenen Augen, die voller ungeweinter Tränen stehen, kurz, die personifizierte Reue.  Nicht so der Widder.  Er bringt es nicht fertig, sich zu verstellen, List ist ihm fremd, über Ungerechtigkeit ist er zutiefst empört und wird sich ihr nie beugen, sondern bis zum bitteren Ende gegen sie kämpfen.  Es ist wahrscheinlich nicht leicht, mit solchen Hunden zu leben, aber anderseits ist der Umgang mit ihnen aufregend, sie sind stets unberechenbar, nie langweilig, in mancher Hinsicht allerdings auch einigermaßen widersprüchlich.  Im Grunde sind sie egozentrisch, es bereitet ihnen aber Spaß, andere glücklich zu machen.  Von Natur aus unternehmungslustig und erfindungsreich, verlieren sie rasch das Interesse an einem Vorhaben oder einer Idee, sobald sie sich einige Zeit damit beschäftigt haben.

Diese gegensätzlichen Charakteristika führen dann oft zu den typischen, leicht peinlich ausartenden Widder-Situationen.  Nehmen wir etwa die klassische Szene einer friedlichen Familie, die am Strand mit einem Tennisball spielt.  Alle lächeln und geben sich entspannt, sogar der Vater.  Da bricht plötzlich ein fremder Hund in diesen magischen Kreis ein, schnappt sich mit dem Maul den Ball und läuft mit ihm davon; in der Eile schleudert er Sand in den Picknickkorb und rennt die kleine Tochter über den Haufen.  Die Mutter schreit auf, weil die Sandwiches ungenießbar geworden sind, die Tochter bricht in Tränen aus, der Vater jagt hinter dem Hund her, stolpert über seine eigenen Füße und verstaucht sich dabei den Knöchel.  Der Hund ist begeistert, weil er so viel Leben in das langweilige Ballspiel gebracht hat, bringt den Ball zurück und legt ihn dem kleinen Sohn zu Füßen, dem einzigen Familienmitglied, das noch nicht brüllt.  Der kleine Sohn hebt den Ball nicht auf, weil er Angst hat, gebissen zu werden; der Hund will ihn dazu bewegen, sich an der allgemeinen Fröhlichkeit zu beteiligen, springt an ihm hoch und bellt begeistert.  Dadurch gerät das Kind vollkommen aus der Fassung und heult nun noch lauter los als seine Schwester.  Innerhalb einer halben Minute hat sich Zufriedenheit in Ärgernis verwandelt und eine soeben noch lächelnde, freundliche Familie ist tränenüberströmt und entzweit.  Und das alles nur, weil ein Widder-Hund es gut mit ihnen gemeint hat: er wollte ihr Spiel beleben und sie noch glücklicher machen, als sie es vor seinem Eingreifen ohnehin schon waren.  Nichts lag ihm ferner als eine länger dauernde Einmischung in ihr Privatleben; hätten sie, wie es der Anstand verlangt, eine Zeitlang auf seine Art mit ihm gespielt, hätte er bald von ihnen genug gehabt und sich zu jemand anderem begeben, um auch ihn glücklich zu machen.

Diese bewundernswerte Sorge um andere kann sich noch viel hautnäher auswirken.  Nehmen wir an, Ihr Hund hört um zwei Uhr morgens ein ungewohntes Geräusch (Widder sind wachsam, intuitiv, scharfsinnig!).  Sein erster Gedanke wird Ihrer Sicherheit gelten.  Wenn warnendes Gebell keine Reaktion hervorruft, wird er in Ihr Zimmer stürzen, auf das Bett springen und Ihnen das Gesicht ablecken.  Wie dankbar Sie ihm für sein selbstloses Handeln sind, hängt jetzt natürlich davon ab, wer oder was das Geräusch verursacht hat.  Ein nächtlicher Besucher, der Ihr Küchenfenster mit einem Brecheisen aufstemmen will, ist etwas anderes als die Nachttischlampe, die ,Sie selbst umgeworfen haben, weil Sie im Dunkeln nach der zweiten Schlaftablette gesucht haben.  Im zweiten Fall denken Sie, bitte, daran, dass er ein Widder ist, und beherrschen Sie sich.

 

Widder-Hunde sind für gewöhnlich schwierige Patienten.  Sie empfinden eine solche Abneigung gegen das Kranksein, dass sie meist nicht zugeben, wenn sie es wirklich sind.  Machen Sie sich keine Hoffnung, Ihrem Hund jemals eine Pille ins Essen schmuggeln zu können.  Er wird Ihren Anschlag sofort durchschauen und die Pille fein säuberlich neben seinem Napf deponieren - eine Warnung für Sie, es nicht noch einmal zu versuchen. Widder-Hunde mögen auch keine Tierärzte, und wenn man sie mit Gewalt zu einem Arzt schleppt, spielen sie so lange überzeugend den gesunden Hund, bis sie wieder zu Hause sind.

 

Die Gewohnheit kommt nicht nur auf die Dauer teuer, sondern führt schließlich dazu, dass es in ihrer Umgebung keinen Tierarzt mehr gibt, der gut auf Sie zu sprechen ist. Aber verzweifeln Sie nicht. Wenn Sie sich die Mühe machen, Ihrem Hund die Tatsachen des Lebens logisch z erklären (am besten, solange er noch jung ist), werden Sie erkennen, dass seine guten Eigenschaften die schlechten überwiegen. Widder können ausgezeichnete Wachhunde abgeben und genießen es unter Umständen sogar, auf Ausstellungen geschickt zu werden (das kommt von ihrer schauspielerischen Ader). Ihre Loyalität steht außer jedem Zweifel, und wenn sie ausgeglichener Gemütsart sind und sich damit abgefunden haben, so z sein, wie sie sind, können sie verlässliche Blindenhunde werden. Der Wunsch, andere aus der Dunkelheit hinauszuführen, ist für Widder charakteristisch.

Und falls Sie mit sich und der Welt zerfallen sind, wird er immer da sein und Ihnen zur Seite stehen. Er versteht sie instinktiv, denn er ist selbst sehr oft mit sich und er Welt zerfallen.

 

Sie sollten:

Geduld haben und ihm schon in früher Jugend erklären, dass sein Leben eben ein Hundeleben ist. Ihn an der Leine halten, wenn Sie mit ihm am Strand spazieren gehen. Ihre Schlafzimmertüre versperren. So tun, als ob die Untersuchung durch den Tierarzt Ihr alljährlicher Verwandtenbesuch wäre.

 

Sie sollen nicht:

Die Geduld verlieren. Sich in seine Kämpfe einmischen. Trotzen, wenn er trotzt. Versuchen, ihn zu täuschen (außer beim Tierarzt).

 

Gesundheit:

Achtung!  Ihr Hund wird vielleicht während seines ganzen Lebens an keiner der hier aufgezählten Krankheiten leiden, aber Vorbeugen ist besser als Hellen.

Es besteht die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Hund an einem der mit zwei Sternchen bezeichneten Leiden erkrankt.  Bei einem Sternchen ist eine Erkrankung möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich.

 

  ** Wunden, Nierenleiden.

    * Zähne, Augen, Verdauungsprobleme.